Was brauche ich zum Start der Hühnerhaltung – Teil 1 – Stall und Auslauf

Der Grundstein der Hühnerhaltung sollte nicht der Hühnerkauf selber sein, sondern der Stall und der direkt daran anschließende Auslauf.

Es gibt 3 Grundarten der Geflügelhaltung.

Bodenhaltung, Freilandhaltung und Bio-Haltung sind die zugelassenen Haltungsbedingungen in Deutschland. Dabei sind die Anforderungen an Stallfläche, Sitzstangen und Auslauffläche.

Bodenhaltung

… bedeutet, dass die Hennen in einem abgeschlossenen Stall, ohne Auslauf leben, in dem sie sich frei bewegen können.
Der Stall kann dabei auf bis zu vier Ebenen übereinander angeordnet sein, die aus Sitzstangen und höher gelegenen Laufflächen bestehen.

Pro 1 m² nutzbarer Stallfläche dürfen maximal 9 Hennen gehalten werden.
Bei der Anordnung der Haltungseinrichtungen auf mehreren Ebenen dürfen es maximal 18 Hennen pro Quadratmeter Stallgrundfläche sein. Insgesamt ist die Hühneranzahl in einer Gruppe auf höchstens 6.000 Legehennen begrenzt.

Freilandhaltung

… basiert auf den Haltungsanforderungen der Bodenhaltung was den Stall betrifft, aber zusätzlich tagsüber uneingeschränkt Zugang zu einem Auslauf von 4 m² pro Henne. Die Auslauffläche sollte zum größten Teil bewachsen sein und nicht zu anderen Zwecken genutzt werden, außer als Obstgarten, Wald oder Weide. Der maximale Radius der Auslauffläche beträgt 350 m. Bei einem Radius von 150 bis 350 m müssen im Auslauf Unterstände und ggf. Tränken vorhanden sein.

 

Und dann noch die

Ökologische Hühnerhaltung

… bringt das das von vielen am liebsten gekaufte Bio-Ei in den Handel, bzw. bei den meisten auch in den eigenen Stall.
Die Erzeugung von Eiern aus der ökologischen Haltung erfolgt unter Einhaltung der Mindestanforderungen der „EG-Ökoverordnung“. Dabei dürfen pro Stall nicht mehr als 3000 Legehennen gehalten werden. Die Tierzahl ist auf 6 Hennen pro Quadratmeter nutzbarer Stallfläche beschränkt. Außerdem stehen jeder Legehenne 18 cm Sitzstange zu. Ein Auslauf ins Freie ist vorgeschrieben, dabei müssen pro Henne mindestens 4 Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung stehen. Die höchstzulässige Anzahl von 230 Legehennen je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche darf nicht überschritten werden. Die Fütterung der Hennen sollte ausschließlich mit ökologischem, möglichst betriebseigenem Futtermitteln erfolgen. Bei der Behandlung der Hennen im Krankheitsfall sind Naturheilmittel und homöopathische Arzneien zu bevorzugen.

 

Wie ihr hier schon seht, ist hier einiges möglich, was Fläche von Stall und Auslauf betrifft. In Österreich zum Beispiel liegt die vorgeschriebene Mindest- Auslauffläche im Gegensatz zu unseren 4 qm bei dem doppeltem, nämlich 8 qm pro Huhn.
Generell gilt natürlich umso mehr, desto besser. Allerdings lässt sich auch auf den Grundanforderungen so einiges umsetzen. Da ein strukturierter Auslauf die Anforderungen der Hühnern besser entgegen kommt, als eine sehr große Freifläche auf einer Wiese. Dazu kommt allerdings später ein gesonderter Beitrag für euch, da ich dieses Jahr unseren neuen Auslauf umgestalte und euch mit zu den Umbau- Maßnahmen nehme.

 


Der Hühnerstall

Zugluftfrei – Regenfest – gut gesichert gegen Raubtiere

Das sind die 3 wichtigsten Punkte, die der Hühnerstall erfüllen muss.

So einfach? Jein…
Was brauchen Hühner im Hühnerstall?

⇒ 1. Ausreichende Grundfläche

⇒ 2. Eine Sitzstange

⇒ 3. Legenest

⇒ 4. Tränke

⇒ 5. Futternapf

⇒ 6. Lüftungsschlitze für gutes Stallklima

⇒ 7. Fenster

⇒ 8. Aus-/Eingang

⇒ 9. Isolierung?


1. Ausreichende Grundfläche

Wie bereits oben in den unterschiedlichen Haltungsformen beschrieben, ist es vorgegeben, wieviele Quadratmeter Fläche der Stall pro Huhn haben muss. In der weiteren Ausführung gehe ich immer vom Bio-Standard aus… also pro Quadratmeter dürfen 6 Hühner gehalten werden.

TIPP: Wenn ihr sagt, dass ihr mit 4 Hühner zum Beispiel starten wollt, (weniger als 3 sollten es nicht sein, da Hühner Herdentiere sind) dann plant beim Stallbau auf jeden Fall das doppelte ein! Ihr werden sicher mit der Zeit mehr Hühner halten wollen, als ihr es euch am Anfang ausmalt und das mit 100%iger Sicherheit 🙂

2. Eine Sitzstange 

Nachts sitzen Hühner in der Regel auf einer Sitzstange. Ich sage in der Regel, da es auch ein paar Hühner gibt, die hier eine Ausnahme begehen… Besonders große, schwere Rassen bevorzugen lieber ein Nest am Boden und andererseits die  Wildhühner, die liebend gerne ihr Nachtquartier hoch in den Bäumen suchen.

Sitzstangen sollten folgende Maße haben:

Für Zwerghühner: Breite 5 cm und eine Dicke von 2,5 cm – 3 cm
Für normalgroße Hühner: Breite 6 cm und eine Dicke von 4 cm

Wieso diese Maße?
Ein Huhn sollte mit den Krallen die Stange gut umfassen können und beim Schlafen das Brustbein mit ablegen.

Ich habe ein Kantholz als Sitzstange. Für die Hühner ist es in diesem Fall angenehmer die Kanten etwas zu nehmen und abzurunden. Bei Holz ist besonders darauf zu achten, dass Splitter abgeschliffen werden um Verletzungen zu vermeiden.

Wenn ihr Holz verwenden wollt achtet bitte darauf, dass es stark genug ist um das Gewicht der Hühner zu tragen.

3. Legenest

Will man nicht jeden Tag Ostern haben und die Eier im ganzen Gehege suchen, solltet ihr Legenester einbauen.

Hier scheiden sich allerdings die Geister… In Bodennähe… etwas Höher an der Wand, aus Kunststoff, mit Klappe vorn…

Aber eines haben Sie alle gemeinsam:
Haben die Hühner die Auswahl, streiten Sie immer um das selbe. Es legt keine Henne in das Nest das gerade frei ist, sondern in das, welches so toll ist, dass hier bereits eine ein Ei legt.

Meine Hühner haben die Qual der Wahl mit drei Legenestern. Wenn ich Glück habe, kann ich eine mit einem Kunststoffei überlisten auch in ein 2tes Nest zu gehen und hier unser Frühstücksei zu legen.

Für Zwerghühner reicht eine Größe von B30/T30/H40 cm. Für Größere Rassen hat sich eher 40/40/40cm bewährt.

4. und 5. Tränke und Futternapf

Natürlich braucht ein Tier Futter und Wasser. Hierfür gibt es spezielle Tränken zum aufhängen, oder zum aufstellen, je nachdem was für eure Ansprüche passender ist. Ebenfalls gibt es bei den Näpfen verschiedene Wahlmöglichkeiten. Futterspender oder Schüssel… alles hat seine Vor- oder Nachteile.

Der Futterplatz sollte so gewählt sein, dass er weder von Kot von Sitzstangen oder herumgewirbeltem Einstreu, eindreckt.

TIPP: Unter dem Kotbrett ist ein guter Platz für die Tränke. Hier sind in nie alle Hühner gleichzeitig wie beim Futternapf.

Was ist beim Bau des Stalles noch zu beachten?

Ein Hühnerstall muss zugfrei aber luftig sein. Das Stallklima darf nicht feucht sein, aber auch nicht staubig.

Da kommen Punkte 6-9 zur Sprache.

Ganz oft kommt die Frage bei zukünftigen Hühnerbesitzern auf: Muss ich meinen Stall isolieren?

Für eine Isolierung des Stalles sprechen meiner Meinung nach nur 2 Punkte:

Zum einen dämpft ein isolierter Stall das Krähen und Gegacker stark, was natürlich dem Verhältnis zum Nachbarn zu Gute kommt.
Und zum anderen hat der isolierte Stall den Vorteil, dass die Wärme im Stall gut ausgeglichen wird zur Außentemperatur. Das heißt im Winter ist der Stall gut warm und im Sommer hält er schön kühl.

Hierbei ist es wichtig den Stall mit dem Fenster nicht unbedingt in Richtung Süden auszurichten, denn dann heizt sich natürlich der Stall im Sommer vermehrt auf. Eine gute Ausrichtung ist gegen Osten. Morgensonne genießt man wie ich finde im Winter auch selbst besonders.

Ein Fenster ist kein Muss. Allerdings hängt die Legeleistung eines Huhnes stark von seinem Wohlbefinden ab. Wer auch in den Wintermonaten hin und wieder ein Ei möchte und keine Winterleger als Rasse hat, der kann hier mit einem Lichtprogramm und vielem natürlichem Licht etwas in die richtige Richtung stupsen.

Gutes Stallklima ist das A und O der Hühnerhaltung. Es hat sich bewährt einen großen Lüftungsschlitz, den man mit einem Schieber regulieren kann, einzubauen. Hier kann Feuchtigkeit entweichen und ein gezielter Luftaustausch erfolgen.

Der Hühnerschlupf sollte in etwa 25cm breit und 35 cm hoch sein. Allerdings sind das nur Richtwerte. Im Allgemeinen eher hoch als breit. Wenn ihr den Schlupf mit einer automatischen Hühnerklappe verschließen möchtet, dann solltet ihr euch an diesen Maßen orientieren.

 

TIPP:
Der Hühnerschlupf kann zur Zugluftfalle werden.
Daher entweder etwas vom Boden erhöht anbringen, oder einen „Windfang“ bauen, wie ich es hier gemacht habe. Dadurch kann der Wind nicht im Fress- und Legebereich durchziehen.

 

Zum Thema Ein-/ Ausgang noch ganz kurz… Also nicht der für Hühner, sondern der Stalleingang für euch…

 

Mein Mann hat mir meinen Stall konstruiert und wirklich Klasse gebaut. Anfangs hatte ich Zwerghühner wie ihr wisst.
Allerdings haben Zwerghühner etwas andere Anforderungen als große Artgenossen, daher hat es natürlich kleine Änderungen gegeben 🙂 Die Frau natürlich selbst ausgeführt hat…

Noch dazu kommt, dass mein Mann mich, so denk ich,  jünger und biegsamer eingeschätzt hat (ich aber auch 🙂 ), als ich es bin und anfangs war unser Stalleingang durch das Fenster. Und hinter der Türe war der Futterraum. War, da ich das ausgebaut habe um nun die komplette Stallfläche zu nutzen.

TIPP: Daher meine Empfehlung baut euch eine Türe ein, dass der Stall gut begehbar ist um ihn leicht zu reinigen, oder bei kleinen Ställen eine große Klappe zum öffnen.

Unser Stall hat eine Grundfläche von 1,4m x 2,4m dazu wird heuer im Sommer noch eine Voliere angebaut, wodurch der Stall ein reiner „Schlafstall“ wird und die Hühner auch bei schlechtem Wetter eine größere Fläche zum scharren und kratzen haben.

Innenraum vorher:

Innenraum nachher:

Ich denke, dass noch keiner den perfekten Stall gleich beim ersten Mal gebaut hat.
Mittlerweile bin ich meeega zufrieden… und meine Plüschpopos auch!

Wenn dann noch die Volieren- Erweiterung dazu kommt, sollten Sie keinen Grund mehr zum Gegacker-Protest haben.

 

Liebe Grüße, eure Lisa